Recherche

Methylisothiozolinone

Bei meinen letzten Recherchen bin ich auf den Stoff Methylisothiozolinon gestoßen und habe mich nun darüber weiter informiert. Ohje sage ich euch. Dieses Konservierungsmittel, abgekürzt auch MIT, war vor ein paar Jahren anscheinend das Mittel der Wahl, wenn man auf Parabene in Kosmetik verzichten wollte. Fatalerweise stellte es sich als hochgradig allergieauslösend heraus, sodass dessen Einsatz in Leave-on-Produkten im Jahre 2015 von der EU verboten wurde. Ein toller Artikel dazu ist 2019 im Spiegel erschienen. In Rinse-off Produkten darf Methylisothiozolinone allerdings bis zu einer Konzentration von 0,01 % noch verwendet werden, da diese Konzentration als unbedenklich eingestuft wurde. Unbedenklich für die Allgemeinheit, aber gilt das auch für Neurodermitiker? Vorsicht also bei der Wahl von Shampoo und Co.! Ich selbst konnte den Stoff allerdings in keinem meiner Shampoos und Spülmitteln finden. Die meisten Firmen haben ihre Produktion umgestellt und nutzen das verträglichere Konservierungsmittel Phenoxyethanol. Aber Hand aufs Herz, wer von uns hat nicht noch irgendeine olle Bodylotion irgendwo rumliegen? Weg damit!

Methylisothiozolinone wurden damals übrigens auch in Feuchttüchern für die Babypflege genutzt. Ein Grund vielleicht für das plötzliche Auftreten von Dyshidrosis bei frischgebackenen Müttern? Teilweise waren die Beitrage schon etwas älter und es könnte passen. Mit oder ohne Methylisothiozolinon – für Babys ist es ja bekannt, dass nicht unbedingt jedes Feuchttuch vertragen wird, aber man denkt vermutlich selten daran, dass es vielleicht auch für einen selbst schädlich sein könnte. Meine Probleme kommen allerdings nicht daher, ich nutze von Anfang an Wasser und Waschlappen für meinen Sprössling, auch der Umwelt zu Liebe.

Aber zurück zum MIT: Ich konnte den Stoff in meinen Swiffer-Wet Produkten finden, die ich sogar immer ohne Handschuhe benutzt habe, weil es so schön schnell geht. Die lasse ich also weg, ist sowieso auch umweltfreundlicher.

Wo kann man den Stoff noch finden? Wikipedia sagt dazu folgendes:

Verwendung

Methylisothiozolinon hat eine mikrobizide Wirkung und wird als Konservierungsmittel in Kosmetika, in Waschmitteln, in Haushalts- und Industriereinigern, in der WasserbehandlungWasserenthärtung, in SchmiermittelnDispersionsfarben, Lacken, Klebstoffen, als ein Additiv zu Kerosin und in der Papierherstellung eingesetzt. Oft werden Mischungen mit Chlormethylisothiazolinon (CMIT) oder Benzisothiazolinon verwendet. Gemäß einer Studie enthielten 2000 in der Schweiz 43 % der Farben, Lacke und Beschichtungen die Mischung CMIT/MIT. Bei Klebstoffen, Füllstoffen und Dichtungen waren es 45 %.

Wikipedia Artikel zu Methylisothiozolinin

Farben, Beschichtungen, Lacke, Klebstoffe…Klebstoffe? Mir fällt direkt ein, dass sich vor ein paar Monaten vermehrt Bläschen an den Stellen der Finger und in der Hand bildeten, an denen ich meine Kunstleder-Handyhülle berührte. Ich hatte zunächst vermehrtes Schwitzen an diesen Stellen in Verdacht und daher die Hülle entfernt, aber Kleber könnte es natürlich auch sein. Seit dem ich keine Hülle mehr benutze ist mein Handy zwar kaputt gegangen, aber die Bläschen sind an den Stellen viel besser geworden. ¯\_(ツ)_/¯

Farben? In diesem Artikel von Deutschlandfunk wird eine Problematik bei Wandfarbe erwähnt:

„Besonders frisch renovierte Räume können ein Problem darstellen, weil MI noch über Monate aus der Wandfarbe ausgasen kann. Das UBA empfiehlt daher, auf spezielle MI-freie Farben für Allergiker zu setzen, wenn man das Risiko minimieren möchte.“

Wir sind vor der Geburt meines Kindes umgezogen und haben auch viel gestrichen. Da ich schwanger war, haben wir besonders auf die Inhaltsstoffe geachtet und konservierungsmittelfreie Farbe genutzt. Aber vielleicht kommt es ja bei einem von euch als Trigger in Frage?

Ist der Farbeimer weg, aber weiß man Marke und Farbton noch, dann lassen sich die Inhaltsstoffe ganz leicht über Sicherheitsdatenblätter ermitteln. Seitdem im Juni 2007 die REACH-Verordnung für Chemikalien erlassen wurde, müssen nämlich Hersteller in der EU und Importeure, welche in die EU importieren möchten, für ihre Stoffe und Gemische ein Sicherheitsdatenblatt bereitstellen. Es enthält wichtigen Angaben zu den Chemikalien des Produktes wie z. B. Konzentration und Gefahreinstufung. Finden kann man die Sicherheitsdatenblätter meist im Internet oder man erhält sie auf Anfrage. Hier z.B. findet ihr alle Sicherheitsdatenblätter der Firma Alpina.

Im Allgemeinen scheint das Allergen Methylisothiozolinon seitdem Verbot in Leave-on-Produkten in nur noch wenigen Mitteln vorhanden zu sein. Ob man eine richtige Kontaktallergie zu diesem Stoff ausgebildet hat, kann man übrigens über einen Epikutantest beim Hautarzt feststellen. Für Neurodermitiker und heißt es so oder so: meiden!

Bis bald,

Juliane

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Recherchen im Urbia-Forum

Die Google Suche nach Dyshidrosis Beiträgen hat einige spannende Forumsbeiträge hervorgebracht. Da ich vor einiger Zeit selbst ein Kind bekommen habe und sowieso sehr oft im Urbia-Forum unterwegs bin, habe ich mit meiner Recherche dort begonnen.

Es heißt ja Frauen leiden häufiger und Dyshidrosis als Männer. Womit könnte das zu tun haben? Hormone? Kosmetik? Putzmittel? Gemüse schneiden? Es haben sich jedenfalls einige Beiträge zu den juckenden Bläschen in diesem Forum finden lassen. Zum Zeitpunkt meiner Suche waren es 22 und es meldeten sich ca. 40 Betroffene. Alles Frauen, wobei die ein oder andere Userin aber auch von ihrem Mann berichtete. Die meisten hatten die Bläschen an den Händen, nur drei an den Füßen und oft war Neurodermitis für die Betroffenen bereits ein Thema. Die Analyse der Beiträge ist gar nicht so einfach, denn es ist natürlich unklar, ob es sich bei den vielen Berichten wirklich um Dyshidrosis handelt oder doch um Hitzebläschen, Hand-Fuß-Mund, Krätzmilben oder um einen Handpilz, aber so ist das nun mal wenn man in Foren nach Antworten sucht. Einige Beiträge klingen aber vielversprechend und sind ziemlich sicher von Dyshidrosis-Leidgeplagten verfasst worden, sodass ich doch einige Informationen zusammen tragen konnte. Interessanterweise fingen die juckenden Bläschen bei manchen Frauen während der Schwangerschaft an, bei manchen nach der Geburt und manche hatten es schon jahrelang vorher. Die Schwangerschaft an sich scheint zumindest nicht Auslöser der Dyshidrosis zu sein. Ich selbst litt auch bereits einige Jahre vorher an dem Handekzem und glaube sogar, dass es während der Schwangerschaft an den Händen besser war. Ich habe es darauf geschoben, dass mein Immunsystem wegen des Babys herabgesetzt war und ich daher nicht so empfindlich auf Allergene reagierte. Heuschnupfen hatte ich in diesem Jahr auch so gut wie gar nicht.

Aber zurück zum Urbia-Forum, in dem auch von einigen Triggern und Hilfemaßnahmen berichtet wurden – eventuell hilft jemandem diese Übersicht.
Zunächst die Trigger. Diese sind oft schwierig herauszufinden, da man im Nachhinein überlegen muss, woran es (dieses Mal) gelegen haben könnte. Die folgenden Trigger wurden mehrfach als Ursache vermutet oder waren gesichert der Auslöser:

Trigger
Häufiges Händewaschen und Nutzung zu scharfer Seifen
Gemüse schneiden
Gerbstoffe (Schuhe)
Sommer, Wärme und Schwitzen
Kälte und trockene Heizungsluft
parfümierte Seifen
Geschmacksverstärker
Duft – und Konservierungsstoffe (z.B. Methylisothiazolinone)
Desinfektionsmittel
Milch und Fleisch
Schlechte Ernährung
Natriumdisulfit
Metalle (z.B. Nickel)

Und was hat geholfen? Von echtem Aloe-Gel, selbst angerührten Pasten aus Kurkuma und Kokosöl bis zum Dachs- und Murmeltierfett war alles an Salben und Cremes dabei. Sehr Interessant: Eine Userin hat sogar über Besserung berichtet, seit dem sie gar keine Cremes mehr benutzt. Ein Pilz wurde ausgeschlossen und ihr Arzt vermutet eine Kontaktallergie. Zumindest bei mir hat außer Cortison und Tacrolimus-Salben vom Arzt weder cremen noch nicht eincremen wirklich geholfen. Selbst meine geliebte Zinksalbe scheint mir dieses Jahr mehr Probleme zu machen als zu helfen. Eine Kontaktallergie zu Metallen (Türklinken, Münzgeld) habe ich bei mir nie richtig ausgeschlossen, daher bin ich auf meinen Epikutantest gespannt. Wie dem auch sei: Zur Linderung des Juckreizes wurden öfter Tannolact-Produkte für Bäder oder als Salbe empfohlen. Klar, all diese Produkte bekämpfen Symptome (Trockenheit, Juckreiz) aber nicht den eigentlichen Auslöser.

Einige wenige haben berichtet, dass Ihnen dauerhaft folgende Dinge geholfen haben:

  • Das Tragen von Baumwollhandschuhen und Gummihandschuhen beim Kochen und Putzen.
  • Radikale Ernährungsumstellung
  • Solarium
  • Darmreinigung
  • Meidung des Triggers (z.B. Desinfektionsmittel, Cremes, Methylisothiazolinone)
  • PUVA-Therapie
  • Hände immer sehr gut abtrocknen

Sehr interessant ist diese Antwort von Thadeus73 in diesem Beitrag:

„Hallo judydm,
vermutlich leidest Du unter einem allergisch bedingtem Handekzem, das beispielsweise durch Duft- und Konservierungsstoffe (z. B. Methylisothiazolinone) sowie Nickel (z. B. Modeschmuck, Münzgeld) ausgelöst werden kann. Keinesfalls solltest Du zum Händewaschen desinfizierende Seifen oder überhaupt Desinfektionsmittel verwenden, da diese die Hautbarriere schädigen. Auch Dein Spülmittel sollte keine Duftstoffe oder Methylisothiozolinone enthalten. Das gilt auch für andere Körperreinigungs- und Pflegeprodukte, die Du verwendest.“

Diese Angabe ist erstaunlich konkret und eine schnelle Google-Suche ergibt zahlreiche Artikel die auf die allergene Wirkung dieses Konservierungsstoffes eingehen. Seit 2017 ist der Stoff in Leave-on Kosmetikprodukten sogar verboten. Aha, das klingt doch nach einem guten Anhaltspunkt für meine weiteren Recherchen! Dann geh ich mal die Inhaltsstoffe auf meinen Seifen und Putzmittel überprüfen….

Bis bald!

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„Da können Sie leider nichts machen.“

Seit Wochen hatte ich den Termin beim Hautarzt herbeigesehnt. Ich hatte wieder dieses Ekzem, wie so oft im Winter. Es beginnt eigentlich immer an den gleichen Stellen: zwischen den Fingern und an deren Seiten. Es juckt und viele kleine, mit Zellwasser gefüllte Bläschen erscheinen (Bild B). Manchmal pikse ich sie auf, manchmal warte ich ab. Dann juckt es oft so unerträglich, dass ich mir beim Händeabtrocknen, weil es so guttut, mit dem rauen Handtuch doch alles aufreibe. Im Anschluss werden die Stellen furchtbar trocken und rissig (Bild A), aber bevor alles heilen kann, tauchen auch schon die neuen Bläschen auf und das Ekzem breitet sich aus. Man muss nicht lange bei Google suchen, um die Diagnose zu stellen: Dyshidrosis. Ursache? Kontaktallergie oder Neigung zu atopischen Ekzemen (Neurodermitis). Das Thema ist mir nicht neu, meine Allergie-Liste ist lang und mit Hautausschlägen habe ich seit meiner Kindheit zu tun. Mal in den Armbeugen und Kniekehlen, Mal an den Knöcheln und besonders schlimm war es zweimal im Gesicht. Als Jugendliche und als junge Frau war das eine üble Zeit für mich. Verschrieben werden dann die üblichen Cortison-Salben und man wird wieder nach Hause geschickt. Ich weiß also nicht, was ich mir diesmal anderes von der Ärztin erhofft habe.

„Sie sind Atopikerin, da können Sie leider nichts machen.“
Ob es ein Mangel sein könnte, frage ich? „Nein.“
Ob es auch ein Pilz sein könnte? „Nein, ein Pilz sieht anders aus.“

Ich kann der Ärztin noch einen Termin zum Epikutantest abringen. Diesen Test auf Kontaktallergien habe ich bisher noch nicht gemacht. Er wurde mir von den vielen Ärzten komischerweise auch nie angeboten. Ich darf also gespannt sein. Mit einem Rezept für eine Mometasonfuroat-Salbe und eine neue Handcreme gehe ich traurig nach Hause. Meine Hand ist schlimm dran: offen, gerötet, total trocken und sie tut weh. Die Haut spannt so sehr, dass ich den linken kleinen Finger gar nicht knicken kann. Im Alltag ist diese Hand auch quasi unbenutzbar, mit einem 8 Monate alten Baby eine unschöne Sache. Die Salbe wird helfen, aber bricht es dann wieder aus? Irgendwann tritt bei mir normalerweise Besserung ein und das Ekzem ist dann für ein paar Monate verschwunden.

A: Meine aktuelle Hand vor dem Besuch bei der Ärztin. Die Bläschenphase ist um und nun ist alles staubtrocken und spannt. B: Ein Foto von Juni 2022. Die Bläschen, teilweise sogar eitrig und richtig erhaben, treiben nach oben. Es juckt übel.

Wie viele andere Leidgeplagte glaube ich nicht daran, dass man „nichts“ dagegen tun kann. Vielleicht war ich deshalb so enttäuscht von dem Arztbesuch. Ich hatte mir mehr Informationen erhofft, mehr Ideen, was es sein könnte. Ich meide schon bestimmte Lebensmittel und Inhaltsstoffe, aber so richtig schlau bin ich noch nicht daraus geworden. Als Biologin glaube ich nicht an Homöopathie und weiß, dass der Körper eine riesige biochemische Maschine ist. IRGENDETWAS muss es sein! Wenn mir meine Ärzte nicht genug Zeit schenken können, um diese Frage zu beantworten, gehe ich eben selber auf die Suche und nutze mein Know-how als Wissenschaftlerin.

Und damit auch andere etwas davon haben, gibt es jetzt diesen Blog.

Bis bald,

Juliane

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